Torroella de Montgri – Antike und Mythen
Eine artistische Luft, die geprägt ist von Form und Inhalt. Es ist illustrativ und erzählend, berichtet aber nicht etwa über die naheliegende Wirklichkeit. Es ist historische Erzählung und Vergangenheit ausgedrückt in einer kalligrafischen Form. Es gibt Bilder mit Inhalten einer surrealistischen Mystik, ausgedrückt in gezeichneten Symbolen und Figurationen. Man erlebt Dinge, die aus der tiefstgelagerten Erinnerung geholt werden. Svenska Dagbladet, Stockholm 1976
Bereits in den 60er Jahren haben sich Bertil Sjöbergs Arbeiten zu einer poetischen Sprache kleinster Zeichen entwickelt, die sich nach und nach zu magischen Landschaften verdichten. Nicht zuletzt unter dem Einfluß der Ausgrabungen, die Ehefrau Bitten betreibt, zieht in diese Landschaften immer haufiger die phönizische Göttin Tanit ein. In Bertil Sjöbergs neuen Domizil auf dem Festland wird die Schutzgottheit Ibizas von den Gestalten der Antike verdrängt.
Karl-Erik Eliasson fasst dies im Helsingborgs Dagblad vom 12.2.1976 unter der Überschrift ”Lebendige Vergangenheit Antike und Mythen” folgendermaßen zusammen (übersetzt von Bitten Sjöberg): Es ist offensichtlich, daß Sjöbergs Umzug nach Torroella de Montgri eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Künstlers gehabt hat. Die Bildinhalte der jetzt aktuellen Ausstellung zeugen von einem Einfluß der besonders befruchtenden Art. Mit einem gewagten Bild könnte man behaupten, daß der Künstler sich, seit er sich in Torroella aufhält, eine Nabelschnur zu diesem Stück spanischer Muttererde hergestellt hat. Durch diese Nabelschnur werden seiner Kunst ständig neue Nahrung und neue Impulse zugeführt. Die Gegend war einmal griechische Kolonie und eine geheime Mystik, die von der Erde ausgeht, erinnert an frühere Zeiten. Sjöberg hat die Notwendigkeit erkannt, den Schleier über der klassischen Vergangenheit zu lüften, Erinnerungen aus der Erde zu bergen und in das Heute zu übersetzen.
Doch wie so oft in Bertil Sjöbergs Bildern lauert selbst unter der Schönheit der Antike Verfall und drohender Untergang. Zarte flugsamenähnliche Organismen tragen möglicherweise Tod und Verderben mit sich, das pompejianische Pferd erhält den Untertitel “79”, dem Jahr des Vesuv-Ausbruchs, grinsende Dämonen lauern, wo man sie am wenigsten erwartet und unter der gefährlich dünnen Erdkruste hausen die Ungeheuer und Zwischenwesen einer vorantiken Welt.
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